Australien 3.Teil
17.Juni
Die Nacht war ziemlich laut. In der Nähe dröhnte Country-Musik bis morgens um 05:00 Uhr. Wie immer in solchen Situationen schlief ich mit Ohrstöpseln. Wir werden uns wohl auf keinen Campground
mehr in unmittelbarer Stadtnähe einquartieren.
Nach dem Frühstück ging es nun endlich ins Outback - die GIBB RIVER ROAD - nahte.
Nach ca. 60 Kilometer Richtung Wydham kamen wir zu einem Schilderwald. Es wurde auf Road Trains aufmerksam gemacht und der Strassenzustand konnte von den Tafeln abgelesen werden. Schon hier
erfuhr man, ob Teile der Strecke geschlossen oder geöffnet sind. Außerdem stand dort eine Telefonnummer, unter der man noch weitere Infos erhalten konnte. Das Schild sagte uns, dass alle
Zufahrten geöffnet sind, was auf eine lange Trockenzeit schließen ließ. Für uns war das natürlich gut, denn einige Flussüberquerungen mussten bewältigt werden.
Quer durch die teilweise noch unerforschte und abgelegene Kimberley Region führt einsam die 700 km lange GIBB RIVER ROAD mit einer Abzweigung nach Norden zum Mitchell Plateau. Ein paar
Viehstationen sind über hundertausend Quadrat-kilometer verstreut und diese Strasse ist die einzige Verbindung für Vieh- und Warentransport zu den Küsten-städten Derby, Wyndham und Kununurra. Die
Tour hier entlang ist Traumziel für viele Reisende, der Pioniergeist vergangener Tage ist aber nur noch Folklore. Zumindest entlang der GIBB RIVER ROAD profitiert man ganz gut von dem erfolgreich
propagierten Mythos der "Wild Kimberley", bis die Strasse eines Tages vielleicht asphaltiert wird.
Wir stellten an den Vorderreifen unseres Campers die Position von Free auf Look um und legten den 4 WD-Gang ein. Nun konnte es losgehen.
Auf einer anfänglich ca. 50 kilometerlangen Schotterpiste kamen wir an die Abzweigung zur El Questro Station.
Rechts von uns konnten wir im grellen Sonnenlicht die Abbruchkanten der Cockburn Range nur verwaschen ausmachen. Unter uns lagen die Zwillingsströme, der Durack und der Pentecost River.
Der Pentecost River ist gleichzeitig eine der schwierigsten Stellen der Gibb River Road. Der Fluß zeichnet sich durch ein breites Flußbett aus, das durchquert werden muß, wenn man dem Verlauf der Straße folgen will. Kiesel sollen versuchen, ein Verschlammen der Furt zu verhindern. Je nach Wasserstand können Fahrzeug und Fahrer hier leicht überfordert werden.
Wir gingen über die Kiesel halbwegs trockenen Fußes voraus, um die Strecke zu prüfen und die Durchfahrt zu erkunden. Das Wasser stand nicht hoch, trotzdem konnten wir den Boden unter der Wasseroberfläche nicht einschätzen. Die Radnarben hatten wir festgestellt, den Allradantrieb zugeschaltet. Mit mittlerer aber konstanter Geschwindigkeit durchfuhren wir das Flussbett.
Die El Questro Station ist eine 4.000 m² grosse Rinderfarm mit über 3.000 Tieren. Sie hat sich in den letzten Jahren aber mit Erfolg dem Tourismus zugewandt. So wird hier gegen Gebühr alles
angeboten, was das Touristenherz mit grossem Geldbeutel begehrt: Helikopterflüge, Buschwanderungen, Verleih von Angelruten und Bootsverleih. Die Schluchten auf dem Farmgelände sollen sehr schön sein
und man kann schon einige Tage hier verbringen.
Aus Zeitgründen mussten wir uns allerdings auch dazu entscheiden, an einigen schönen Schluchten vorbeizufahren, man kann einfach nicht alles sehen in der kurzen Zeit, die man zur Verfügung hat. Wir
machten einen Abstecher zur Zebedee Springs, eine warme mineralienhaltige Thermalquelle (28°-32°). Über einen dschungelartigen Pfad ging es einen kleinen Urwald entlang, wo am Ende die warme Quelle
zum Vorschein kam.
Weiter ging es auf dem Weg zur El Questro Station. Bei einem weiteren Abstecher zur El Questro Gorge war unsere Fahrt kurz vor der Schlucht erst einmal beendet. Vor der Gorge befand sich ein Creek. Auf den ersten Blick erschien uns das Wasser nicht sehr hoch, so dass wir eine Durchfahrt riskieren wollten. Wir durchwateten den Fluß erst einmal zu Fuß. Das Wasser ging uns bis zum Oberschenkel, wobei wir das letzte Stück einen kleinen Hügel hinaufstapfen mussten. Auf dem Hügel stand ein Mädchen, das wohl auf etwas zu warten schien. Wir sahen etwas weiter einen VW-Bus, der eine Panne hatte. Mit einem 2-WD-Bus einen solchen Fluss zu durchqueren ist schon ziemlich dämlich. Ein Abschleppwagen von der Station war schon unterwegs. Wir kehrten um, denn mit unserem Vehikel hätten wir bestimmt auch Schwierigkeiten bekommen. Noch wenige Kilometer und wir waren auf der El Questro Station angekommen. Da es Wochenende war, waren schonsehr viele Einstellplätze auf den verschiedenen Campgrounds der Farm besetzt. Die Emma-Station war leider komplett geschlossen. Wir bekamen Platz 18 zugeteilt (Willie Wagtail) auf einem 9 km entfernten Campground direkt am Pentecost River. Zuerst wollten wir uns aber einen erfrischenden Drink genehmigen und setzten uns auf die Terrasse vor dem Stationsstore. Bald darauf gesellte sich ein junges Paar zu uns und wir erfuhren, dass sie auf eine größere Reparatur ihres VW-Busses warten. Uns war sofort klar, dass dies das "Unglückspaar" von vorher sein musste. Der VW-Bus hatte einen Achsbruch, das konnte dauern.
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