Australien 4.Teil
Anschließend nahmen wir eine erfrischende Dusche und fuhren zu unserem Übernachtungsplätzchen. Als wir dort ankamen, staunten wir nicht schlecht. Ein riesiger romantisch gelegener Platz direkt am River gelegen, umrahmt von Büschen und Bäumen ganz für uns alleine erwartete uns. Wir bereiteten uns ein leckeres Abendessen, diesmal mit Steaks, Zwiebeln und Gemüse. Mal wieder total geschafft legten wir uns um 20:00 Uhr in unsere Camperbetten.
18.Juni
Diesmal schliefen wir fast 10 Stunden bei herrlicher Ruhe. Nach einem kleinen Frühstück wollten wir unser Plätzchen verlassen, blieben aber leider beim Herausfahren im Sand stecken. Wir
begradigten mit bloßen Händen den Untergrund und buddelten die Räder frei. Ein Riesenkänguru sah uns aus geringer Entfernung neugierig zu.
Zurück zur El Questro Station genehmigten wir uns noch eine erfrischende Morgendusche und fuhren wieder Richtung GIBB RIVER ROAD.
Weiter ging es an der Abzweigung der Kalumburu Road zum Mitchell Plateau vorbei (für das Mitchell Plateau wären weitere 3-4 Tage einzuplanen, das gab unsere Reisezeit einfach nicht her). Rechts
und links waren immer wieder kleine Buschfeuer zu sehen.
Heute wollten wir allerdings bis zur Ellenbrae-Station auf der GIBB RIVER ROAD weiterfahren. Eine Schotterpiste rüttelte uns 150 Kilometer bis zur Abzweigung Ellenbrae-Station ziemlich durch. 5
Kilometer hinter der Abzweigung waren wir dort. Eine urige Farm zwischen zwei Billabongs erwartete uns.
Wir vergeben hiermit den Preis für die beste Bush-Architektur an das kombinierte Küchen- Bad- und Toilettenbauwerk der Ellenbrae Station! Gegen die Fluten der Wet Season aus riesigen Felsplatten
gemauert, angelehnt an einen Boab-Tree, mit dem Dach eines alten Traktorschuppens. Es ist alles da: Grill, Feuerstelle, Eßtisch, Dusche, Badewanne, Spülklosett, und wenn man den "Donkey", einen
riesigen Badeofen aus rostigem Stahl anheizt, sogar warmes Wasser! Das ganze ist mit vielen witzigen Details (z.B. ein Steigbügel als Seifenschale in der Dusche) einfach liebevoll gemacht.
Man bot uns ein Abendessen an, da wir aber viel eingekauft hatten, lehnten wir dankend ab. An unserem Plätzchen angekommen, stellten wir mit Schrecken fest, dass ein Reifen ziemlich platt aussah.
Sogleich kam ein freundlicher Verwalter und bot uns Hilfe an. Wir wechselten mit seiner Hilfe den Hinterreifen, was gar nicht so einfach war, da der APOLLO-Anbieter nicht den geeigneten
Wagenheber für unser Fahrzeug mitgegeben hatte. So musste ein Holzbrett für die richtige Höhe herhalten. Tatsächlich war ein Loch im Reifen. Der Verwalter flickte ihn und zog den Reservereifen
auf. Das hat mal wieder eine Stunde Zeit gekostet. Wir wurden für diese Reparatur 50 AUD $ los.
Den Nachmittag verbrachten wir mit „Bushworking" bei sengender Sonne, kehrten aber aufgrund der Hitze bald zurück. Unser Abendessen bestand heute aus gebackenen Bohnen mit Brot. Unser netter
hilfsbereiter Verwalter lud uns auf ein Bierchen ein. Bis 21:00 Uhr verbrachten wir plaudernd den Abend mit dem Verwalterehepaar und einem netten jungen Paar aus Perth, das mittlerweile ebenfalls
auf dem Campground angekommen war.
19.Juni
Nach dem Frühstück erfuhren wir bei einem Anruf auf der Elisabeth-Station (unserem nächsten Ziel), dass es dort die ganze Nacht aus Kübeln geschüttet hatte und der Weg zur Station ziemlich
ausgewaschen und schlecht befahrbar sei. Wir machten uns ziemlich schnell auf den Weg, denn wir wussten ja nicht, was uns wettermäßig erwartete. Wir sollten unser blaues Wunder erleben.
Der schlimmste Tag auf der GIBB RIVER ROAD begann.
Wir brauchten für sage und schreibe 160 Kilometer ca. 8 Stunden Fahrtzeit. Kurz vor der Einfahrt zur Elisabeth-Station nahm unsere Fahrt ein jähes Ende. Ein Creek tauchte vor uns auf, der durch
den Regen ziemlich vollgelaufen war. Da am Himmel weiterhin dunkle bedrohliche Wolken aufzogen, entschlossen wir uns, vor dem Creek wild zu campen. Sollte es nachts weiter regnen, hätten wir
keine Chance, die Rückfahrt durch den vollgelaufenen Fluss anzutreten.
Nach dieser anstrengenden Fahrt mit Spurrillen, vermatschte rote Erde, vorbei an verbrannter Steppe und zerfetzten Autoreifen, machten wir uns noch einen heißen Tee und ein belegtes Brot.
Mittlerweile war es merklich kühler geworden. Wir packten uns warm ein und schliefen erschöpft bei ungewöhn-lichen Außengeräuschen fast 10 Stunden.
20.Juni
Am nächsten Morgen machten wir uns schon um 6:00 Uhr auf den Weg. Zähneputzen und Frühstück ließen wir heute morgen ausfallen. Dunkle Wolken am Himmel kündigten nichts Gutes an.
Weiter ging es auf der von Spurrillen durchfurchten GIBB RIVER ROAD bis zu unserem nächsten Ziel der Bell Gorge, eine der schönsten Schluchten dieser Gegend. Links von uns konnten wir die
beeindruckenden Kimberleys bestaunen. Ihrer riesigen Ausdehnung und Unerschlossenheit wegen haben die Kimberleys den Ruf, eines der letzten Wildnisgebiete der Erde zu sein! Die australische
Tierwelt hat sich bei uns allerdings rar gemacht. Lediglich zwei große graue Kängurus haben wir gesichtet.
Am Mt. Barnett Roadhouse angekommen, wollten wir uns nach der weiteren Beschaffenheit der GIBB RIVER ROAD erkundigen.
Die Mt. Barnett Station gehört seit 1988 den Kupingarri-Aboriginies.. Geleitet wird sie allerdings von weissen Australiern, auch im Roadhouse ist die Bedienung weiss. Das Farmgelände ist
sagenhafte 1.254 km² gross und es weiden über 2.000 Rinder darauf. Die Station ist Tankstelle, Gasthaus und Einkaufsladen in einem. Wir tankten nach, kauften noch Kleinigkeiten und kamen nach 5
Stunden Fahrtzeit bei mehr oder weniger schlechter Strecke im Imintji-Store an, wo wir unseren Reifendruck nochmals prüfen ließen.
7 Kilometer weiter ging es zur Abzweigung Bell Gorge. Leider war der 29 Kilometer lange Weg dorthin durch den Regen in einem derart schlechtem Zustand, dass wir für diese paar Kilometer
mindestens 3 Stunden gebraucht hätten. Wir kehrten nach 5 Kilometern um und fuhren die dunklen Wolken hinter uns lassend bis zum Abzweig Windjana Gorge Nationalpark weiter. Insgesamt benötigten
wir für 250 Kilometer 10 Stunden Fahrtzeit.
Die Windjana Gorge ist eine 3,5 km lange Schlucht, die der Lennard River im Laufe von Millionen Jahren durch eine bis zu 100 m hohe Felsbarriere des Napier Reef gegraben hat. Am Ende der
Regenzeit wird der Fluss für kurze Zeit zum reißenden Gewässer, danach trocknet er zu einzelnen Billabongs aus.
Die Anfahrt zum Campground des Nationalparks war total schlammig. Als wir zu dem großen Campground gelangten, sahen wir nur 5-6 Campingwagen.
Wir suchten uns ein Plätzchen auf dem Quiet-Campground ohne Power der mit Toiletten und sehr kalten Duschen ausgestattet war. Außer unserem Fahrzeug standen dort nur noch zwei weitere. Eine
Stunde später kam der Ranger und wollte die Gebühr abkassieren. Zu unserem Erstaunen teilte er uns ziemlich unwirsch mit, dass wir unbefugt in den Nationalpark hereingefahren wären. Die Regierung
hatte ihn wegen der schweren Regenfälle schließen lassen. Es würde pro Weg 5.000 AUD $ Strafe kosten, wenn man trotzdem hereinfährt. Wir bekamen einen Mordsschreck. Wir hatten bei der Einfahrt
keinerlei Hinweisschild gesehen. Da der Ranger merkte, dass wir nun doch sehr aufgeregt waren, zwinkerte er uns freundlich zu und meinte, es sei ja nicht sein Problem und da keine Polizei weit
und breit zu sehen war, sei das Thema für ihn erledigt. Wir entschuldigten uns und beschlossen, zwei Nächte zu bleiben.
Wir kochten uns eine große Portion Spaghetti mit Tomatensoße. Ich konnte mich nicht entschließen, die eiskalte Dusche auszuprobieren. Ich bereitete mir heißes Wasser im Topf und nahm eine kurze
Katzenwäsche.
21.Juni
Am nächsten Morgen erwachten wir gegen 7:00 Uhr. Ein strahlend blauer Himmel lachte uns an und die Sonne zeigte ihr schönstes Gesicht hinter einer massigen Felskulisse. Heute frühstückten wir
ausgiebig. Nach dem Frühstück musste ich die Buschtoilette aufsuchen. Vier einzelne kleine Toilettenhäuschen standen verteilt auf dem Campground. Als ich noch etwas verschlafen zum
Toilettenpapier greifen wollte, glotzte mich eine riesige schwarz-rote Spinne an. Fast hätte ich in sie hineingegriffen. Schnell beendete ich meine „Sitzung" und machte mich von dannen.
Anschließend unternahmen wir einen Spaziergang durch die wunderschöne Schlucht der Windjana Gorge. Der einzige Weg in die Schlucht führte uns durch eine sehr schmale Felsspalte.
Auf der anderen Seite gelangten wir in eine grüne Oase begrenzt von schroffen Felswänden. Hier wachsen mächtige Eukalypten, Feigen- und Papierrindenbäume. In den Bäumen saßen Schwärme von
lärmenden Nasenkakadus. Auf unserer weiteren Wanderung konnten wir Süßwasserkrokodile beim Sonnenbaden auf den Sandbänken neben ihrem bevorzugten Wasserloch beobachten.
Wir machten einige Fotos, wanderten zurück und verbrachten den Nachmittag ausnahmsweise mal mit Faulenzen, Wäsche waschen und kochen.
Am nächsten Tag wollten wir die letzten 380 Kilometer bis Broome durchfahren.
Auf einem Abendspaziergang lernten wir ein deutsches Pärchen kennen. Sie fuhren genau den Bushcamper, den wir eigentlich bestellt hatten. Sie erzählten uns, dass aufgrund der schweren Regenfälle
einiges auf der GIBB RIVER ROAD passiert ist. So ist ein Bus in der Manning Gorge steckengeblieben und der Track sei in einem katastrophalen Zustand. Wir setzten uns noch zu einem netten Plausch
zusammen. In einer sehr kalten Nacht schliefen wir bis 6:00 Uhr.