Sri Lanka 2. Teil

 

Ausflug nach Kandy und Umgebung

Rund um die Fort Railway Station im Herzen von Colombo herrscht früh am Morgen hektische Betriebsamkeit. Fliegende Händler versuchen noch schnell, ein Geschäft mit den Reisenden zu machen; Bettler und Kinder hoffen auf milde Gaben.


Sri Lanka verfügt über ein Eisenbahnnetz von insgesamt 1500 Kilometer Länge. Das Bahnfahren in Sri Lanka ist billig. In der Ersten Klasse kostet etwa die Strecke von Colombo nach Kandy umgerechnet 1,50 Euro. Wir kauften im Bahnhof von Colombo zwei Sitzplätze im Panoramawagon, der dem Zug hinten angehängt wird.


Unsere Reise führte uns von Hikkaduwa über Colombo mit dem Zug nach Kandy. Der Zug, der noch aus der englischen Kolonialzeit stammt, ratterte laut und schlug stark nach rechts und links aus. Beim Versuch aus einer Tasse etwas Tee zu trinken, traf ich anstatt meinen Mund, meine Stirn und konnte so ein unfreiwilliges Gesichtsbad genießen. Daraufhin bekam ich einen Lachkrampf, den ein netter Däne mit seiner Filmkamera einzufangen versuchte, was ihm aber aufgrund des umherschlingernden Zuges ebenfalls kaum gelang. Wegen der Hitze sind Fenster und Türen des Zuges offen, doch dadurch kommt man immer wieder in den Genuss der Dieselrauchwolke. Manchmal sind Einheimische mit Trommeln im Zug. Fliegende Händler schieben sich mit Früchten und kleinen Snacks durch die Gänge.


Die Fahrt ging stetig hinauf durch das Bergland Sri Lankas. Wir passierten viele Bergtunnel und Serpentinen. Kandy liegt am Rande des zentralen Berglandes und hat durch seine erhöhte Lage ein angenehmes Klima (ca. 23-28 °C). Außerdem ist Kandy ein idealer Ausgangsort für vielfältige Besichtigungstouren und Ausflüge. Auch der Ort selbst ist sehr angenehm und bietet neben einer großen Auswahl an Unterkunfts-möglichkeiten große Märkte mit jeder Art Waren, vollgestopfte Handels-strassen, aber auch ruhige Ecken. Um einen großen wundervollen See verstreut liegen Hotels und Gästehäuser mit großartigem Ausblick auf die Stadt und Umgebung.


Das größte Heiligtum Sri Lankas steht am Ufer des Sees - der Zahntempel (Dalada Maligawa) -. Sein Name stammt von der Legende, dass der Zahn Buddhas im 4. Jahrhundert vor Christus verborgen im Haar einer Prinzessin nach Sri Lanka gekommen sein soll. 1590 kam der Zahn nach Kandy. König Wimala Dharma Suriya I. ließ an der Stelle, wo der jetzige Tempel steht, einen zweistöckigen Reliquienschrein bauen. König Narendra Sinha errichtete einen neuen Tempel. Der Tempel ist ganztägig geöffnet. Am Tempel angekommen mussten wir unsere Schuhe ausziehen. Die eigentliche Zahnreliquie bekommen nur wenig Menschen zu Gesicht. Sie wird in einer vergoldeten Schatulle aufbewahrt. Der Zahntempel wurde in mehreren Abschnitten zwischen 1687 und 1782 erbaut. Von außen sticht der achteckige Turm hervor. Der Hauptkomplex, in dem sich mehrere Schreine befinden, besteht aus drei Etagen. Die dritte Etage beherbergt den Goldenen Schrein vor dem sich Pilger und Gläubige sammeln. In der Mitte des Schreins befindet sich der Zugang zu einer Kammer, in der die Reliquie unter sieben goldenen Dagobas aufbewahrt wird. Der Schrein wird täglich dreimal für jeweils eine Stunde geöffnet: am Morgen, am Vormittag und am Abend. Zudem wird der Zahn einmal pro Woche gereinigt. Ob es sich dabei um das Original handelt, ist fraglich, da aus Sicherheitsgründen mehrere Kopien des Zahns existieren.


Im Tempelbezirk befinden sich außerdem Wirtschaftshäuser aus der britischen Kolonialzeit. Umgeben ist das gesamte Areal von einen Burggraben und Wällen. Direkt in der Nachbarschaft zum Zahntempel befindet sich auch eine Moschee und eine Kirche, wodurch vier Weltreligionen (Buddhismus, Hinduismus, Islam, Christentum) innerhalb eines Quadratkilometers vertreten sind.